Zentrum Mettschlatt
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DANKESCHÖN AN DIE REFORM 91 IN DER PERSON VON PETER ZIMMERMANN FÜR DAS AUSSERORDENTLICH SPANNENDE JAHR 2012

Auf unseren Wegen hatten wir uns in den 80-er Jahren nur knapp verpasst. Beide damals in der Gassenarbeit in Zürich tätig fanden sich 2011 wieder am Ort ihrer Herkunft und der verbrachten Jugend. Beide aus eigener Erfahrung erschüttert und erschrocken über das fehlende Interesse an konstruktiver Kritik bei staatlichen Institutionen und ihren Mitarbeitern im Vollzug von Haft und den sogenannten Massnahmen für Psychisch Kranke in Haft. Der Eine als ehemaliger Strafgefangener, die andere als kriminalisierte Angehörige eines von der Tat freigesprochenen Patienten in Haft sind einer Gesellschaft ausgesetzt, die alles ausgrenzen will, was nicht in ihr normiertes idyllisches Leben passt.

Ihre Tat werden als in Zusammenhang stehend mit einer psychischen Erkrankung gesehen. So interessiert sich weder der Verteidiger, noch der Staatsanwalt noch das Gericht für die Tatumstände wie bei einem nicht kranken Kriminellen, was absurd ist. Auch bei ihnen gibt es Belastungen und Begleitumstände. Das Schlimmste ist aber, dass sich kein Psychiater und auch keine Forensiker dafür interessiert. Diese interessieren sich nicht selten nur für ihre Risikoeinschätzung und die Rechtfertigung ihrer Überlegungen. Wird aber der psychisch kranke Täter von der Tat teilweise oder ganz freigesprochen interessiert das weder Medien noch Gesellschaft. Das Gericht übergibt diese eine Klientel dem Gerichtsgutachter und einem Psychiater mit forensischer Spezialisierung. Die psychiatrische Erkrankung als in Zusammenhang stehend mit der Tat führt zu deren vom Gericht angeordneten Krankheitsbehandlung, wenn diese den Erfolg verspricht bezüglich der Verhinderung neuer Delinquenz. Diese forensische Behandlung bedeutet zu einem Versuchskaninchen zu werden, dass nach dem alten Tierschutzgesetz gehalten wird.

Persönlicher Einblick in problematische Unterbringungs- und Umgangsformen, entstandene gefährliche Situationen für Leib und Leben Inhaftierter und das Leiden einer gänzlich unbekannten Randgruppe, der Angehörigen von Inhaftierten und psychisch kranken Straftätern, hatten zur Gründung geführt zusammen mit der Selbsthilfegruppe Angehöriger Strafgefangener einer Angehörigengruppe von Betroffenen durch den Massnahmenvollzug.

Je länger je mehr sehen einzelne forensisch Tätige keinen Unterschied mehr in der Behandlung von psychisch Kranken und inhaftierten Straftätern. Die Psychiatrisch-forensischen Einrichtungen haben sich zu Gefängnissen entwickelt, die neben der Freiheitsberaubung auch die Beraubung freier Meinungs- und Gefühlsäusserungen verlangen. Hart und realitätsfern ist die Kontrolle, jedes Verhalten der Betroffenen kann nach eigenem Gutdünken der Behandelnden bewertet werden. Diese werden nirgends kontrolliert und überprüft. Rechtliche Mittel stehen den Inhaftierten und ihren Angehörigen nicht zur Verfügung. Die Psychiatrie mit ihren sich vom menschlichen distanzieren Müssenden ist aufgrund all der Rechtfertigungen ihrer Behandlung strafender als jedes Gefängnis. In der Forensik ist ja strafen und einsperren nicht genug, Verhalten muss noch korrigiert und angepasst werden, Persönlichkeit verändert. Im Rahmen von Veränderungen der letzten 20 Jahre sollen nun auch Straftäter therapiert werden und umgekehrt psychisch Kranke bestraft. Beides natürlich in Haft. Jeder kompetente Psychiater weiss, dass er eine Persönlichkeit nicht verändern darf ohne den Menschen / Patienten zu destabilisieren. In der Forensik herrscht die Idee vor, dass genau das passieren muss. Erst danach kann in ihren Augen die Persönlichkeit neu zusammengesetzt werden, so wie sie es wollen um dem Staat Freude zu machen. Da Zombies dem Volk noch immer Angst machen, müssen sie noch bereit werden möglichst viele Medikamente zu schlucken, die sie gang- und standunsicher machen und lallen lassen. Der Vorteil für den Forensiker daneben ist, dass man so weiss welcher der Patient ist und welcher nicht. Es könnte ja sonst zu leicht noch zu Verwechslungen kommen.

In diesem Jahr der Zusammenarbeit habe ich eine leichte Ahnung davon gekriegt, was es heisst der Prügelknabe zu sein, ungerechtfertigt bestraft, angeklagt und von der Öffentlichkeit, dem eigenen Freundes- und Kollegenkreis unverstanden. Es ist eine riesige Aufgabe als Straftäter sich wieder in die Gesellschaft zurückzuwagen. Durch die jahrelangen Behandlungen der Psychisch Kranken gelingt das ihnen immer weniger und auch ihre Angehörige werden belastet durch eine nicht nachvollziehbare Behandlung und Resozialisierung, die noch immer wie im letzten Jahrhundert in einem Glauben an die Verfügung von Sanktionen stehen geblieben ist, einem mittelalterlichen Denken, das neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht und auch einer einander achtenden gleichwertigen mitmenschlichen Ebene entbehrt.

Für mich als loyale Psychiaterin, loyale Bürgerin, nie bereit mit Kollegen, Mitbürgern zu brechen war es eine schwere Zeit. Ich habe gelernt unhöflich zu werden ob all dem Unsinn, den man mir als Therapie und Freundlichkeit verkaufen wollte. Das System hat entsprechend zurückgeschlagen. Lachen und Freude sind mir trotzdem nicht vergangen.

Doch der Einblick in Bereiche von Welten, die durch theoretische und denkende Funktionäre geleitet werden, bar jeglicher Empathie, fordert Schritte der Entfremdung von vielen Gruppierungen. Diese Welten sind sicherlich der Gesundung und Weiterentwicklung einer humanen Gesellschaft hinderlich. Zusehends verboten in diesen Welten ist Empathie: Es ist ein Klassen-, Kastensystem, wo sich die Frage stellt auf welcher Seite ich bin und ob ich das Recht habe Rechte zu haben oder eben nicht. Anders wie das hinduistische Kastensystem als Ganzes in einem integral und natürlich funktionierendem Ganzen der Gemeinschaft dient, ist hier eine Kaste der Unberührbaren drinnen im Gefängnis und überflüssig.

In der Forensik ist der Insasse kriminell und er muss von der Gesellschaft ferngehalten werden. Streng, strafend, in Frage stellend, hart, ablehnend und verachtend muss mit ihm und seinen Zugehörigen umgegangen werden. Kürzlich hat ein angesehener forensischer Professor stolz in einer der meistgelesenen Tageszeitungen von sich gegeben wie gern er dabei dem Willen des Volks und unserer Politik entspricht, vollkommen ungestraft durfte er diskriminieren und Kollegen verleumden. Die Presse und er waren sich dahingehend einig, dass der Einsatz kritischer Angehöriger für solchen Abschaum von Strafgefangenen verachtenswert und fragwürdig sei. Für den forensischen Professor gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Gefangenen und zu behandelnden Patienten im Vollzug der Massnahmen. Er kann und will nicht unterscheiden zwischen straffrei wegen Krankheit und bestraft wegen Kriminalität. In einem Fall ist er felsenfest überzeugt nach Jahren vorgängiger Behandlungen und zwei sich bezüglich Diagnostik einigen Gutachten, dass er doch nun als einzigartiger und bester Tester und Einschätzer wieder alles offen hat für eine Neubeurteilung von allem. Tatsächlich bestand sein Fehler aber darin, dass er seine Assistenzärztin und den mittlerweile abgegangenen leitenden Arzt einen Patienten bei sich aufnehmen liess, der vom Krankheitsbild dort gar nicht hätte landen dürfen. Einen Fehler ein zugestehen, liesse die Korrektur zu und würde Verzeihen ermöglichen. Doch das kann sich ein unsicherer Mensch, der allen gefallen muss nicht leisten. Für Betroffene und ihre Angehörigen verstreichen so Jahre. Die Gerichte und das Volk glauben solchen Fachleuten, plappern ihnen nach, da sie im politischen Trend liegen. Wagt ein Kollege zu kritisieren wird dieser von den Medien an den Pranger gestellt.

Die Welt im Bereich der Forensik ist irrsinnig, sie gehorcht eigenartigen Vorstellungen von: wir Therapeuten wissen alles, du weißt nichts, wir sind alles, du bist nichts, Du musst uns gut finden, sonst finden wir Dich schlecht, behauptest Du aber solches sehen wir dass Du krank bist, da wir absolut sind. Narzisstisch sind in ihren Augen die Patienten und ihre Angehörigen, die kritisieren wollen und Sorgfalt, Fürsorge und Interesse und Anteilnahme auch für diese Menschen erwarten. Da unser Staat ihnen, selber charakterlich und sozial unüberprüft die Waffe der nicht hinterfragbaren, nicht kritisierbaren oder anfechtbaren Autorität gibt ist jeder der damit in Kontakt kommt ausgeschaltet. Politische Gegner werden so mundtot gemacht. Ein Recht auf freie Meinungsäusserung existiert für inhaftierte Patienten und ihre Angehörigen nicht. Sie und ihre Aussagen werden zensuriert, taxiert, gar begutachtet. Der Patient ist nicht nur in einem räumlichen Gefängnis eingesperrt und sein Angehöriger von ihm getrennt, sondern er muss auch bereit sein sich bestimmen und prägen zu lassen durch den Denkraum des forensischen Psychiaters, der ihm eine mentale soziale und staatliche Zwangsjacke verordnet. Die Diagnose der psychiatrischen Auffälligkeiten und der damit verbundenen Risikoeinschätzung gilt als unantastbar. Staatsanwälte und Richter delegieren alles an sie und schmücken deren Aussagen dann noch mit verachtenden und strafenden Worten für den Ungehorsam der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Ich kann die Einsicht nicht länger verleugnen, dass die Psychiatrie und im speziellen die Forensik ohne Reflektion der Gefahrenmomente von Macht in geschlossenen Systemen und deren Gebrauch, bzw. Missbrauch, schädlich ist. Statt dass sie heilt, schadet sie, statt dass sie sozialisiert enteignet sie und quält. Ihre Überheblichkeit schreckt vor nichts zurück.

Natürlich meint es auch jeder dort nur gut, doch eine allgemeingültige Objektivierungsmöglichkeit muss in der Psychiatrie und der Justiz geschaffen werden, vor allem da wo Systeme geschlossen sind. Sonst werden die Menschenrechte permanent missachtet, was zur Vermehrung von Negativität im Umgang miteinander und Gewalt und ihren Eskalationen führt.

Vergessen geht die Idee, dass der Psychisch Kranke Behandlung braucht und dass seine Beeinträchtigung im sozialen Miteinander wettgemacht werden muss und nicht durch seine Anpassungsleistung erreicht werden kann.

Besucht man diese Menschen findet man absurde Situationen an: Schwer Kranke Menschen müssen es ihren Psychiatern, Pflegern und Sozialpädagogen und Aufsehern recht machen. Sie müssen sie und ihre Denkweisen verstehen lernen und Rücksicht nehmen. Angehörige müssen lernen sich permanent in zwei Welten zu bewegen oder sich von ihren inhaftierten Angehörigen oder der Gesellschaft zu trennen. Aktuelle Behandlungen fordern zu Recht den Einbezug der Angehörigen und des Umfelds. Doch die stationären Behandlungen verlangen die volle Hingabe der Inhaftierten an ihre Pseudogemeinschaft und die Trennung von Herkunftsbindungen auch wenn diese sozial, nährend und gesund sind.

Was uns noch lange begegnen wird und auch zu Recht sind Skepsis und Ängste der Bevölkerung gegenüber den staatlichen Institutionen bezüglich Risikoeinschätzung und Behandlung, so auch gegenüber entlassenen Strafgefangenen. Keine Ahnung hat die Presse von psychisch Kranken Straffälligen, 2 Makel aufs Mal heisst wahrscheinlich doppelt schlimm. Der Handlungs- und Aufklärungsbedarf hier ist gross, wo nicht mal Fachleute den Unterschied kennen zwischen inhaftiert und behandelt. Aufgabe der ABM ist es hier etwas Licht ins Dunkle zu schicken. Die Verfolgung sensationslüsterner Medien trotz abgeschlossener Behandlung ist politisch ideologisch, geldgierig und somit deliktisch motiviert. Hier bleibt viel zu tun, was wir ohne Dich, Deine Robustheit und Fröhlichkeit nicht könnten.

Dass ein forensischer Professor gar 10 Jahre nach Deiner als geheilt und vollständig therapiert betrachteten Entlassung, sogenannt rehabilitiert die These aufstellt, dass Du mich auf ihn angesetzt hättest um ihn umzubringen zeugt doch neben seinem eindeutig paranoidem Denken und seiner narzisstischen Grandiosität von Deinem Gewicht in der Entwicklung eines humanen Strafvollzugs. Kann ja wohl kaum sein, dass eine Krähe der andern das Auge aushacken soll und den guten Verlauf einer Behandlung im Saxerriet schmälern.

Passiert in einem von der Gesellschaft abgekapselten, nicht einsehbaren Raum Unrecht, werden unschuldige Kranke tatsächlich manipuliert und verändert. Kennen forensisch Arbeitende kein soziales gesundes und empathisches Miteinander spiegeln sie unsere Gesellschaft, der sie dienen.

In unhaltbaren Situationen fehlender medizinisch-fachlicher Fürsorge in der Behandlung schizophrener oder sterbenskranker Straffälliger gibt es keine Ansprechpartner. Wagen die Angehörigen sich zu äussern gelten sie als renitent und querulant. Plötzlich sind sie als unschuldige Bürger an den Pranger gestellt und verfolgt wie die Straffälligen. Hier wollen wir uns anbieten. Nach Erfahrungen aus noch immer vorhandener Naivität und einem trotz allem gesunden Selbstbewusstsein liessen mich annehmen, dass es sich nur um Missverständnisse handeln konnte, die sich in Kürze auflösen liessen. Ich nahm an, dass man nur miteinander zu reden brauchte. Mit denselben Aussagen hatten andere Angehörige bereits Erfahrungen gesammelt, die mir noch bevor standen. Du hattest mich gewarnt und mir gesagt, dass ich sehen werde wie es bei meinem Angehörigen dasselbe Procedere sein würde. Tatsächlich sprachen die forensisch Tätigen Ärzte und Therapeuten kaum mit den inhaftierten Patienten und auch nicht mit mir. Anamnesen waren sie nicht bereit korrekt zu rapportieren. Die Wiedergabe von falschen Tatsachen oder Anamnesen interessierten sie nicht und auch nie waren sie bereit oder fähig ihre Thesen an Befunden zu überprüfen und relativieren.

Unter uns gesagt: Sie schoben tatsächlich eine sehr ruhige Kugel und wurden darin noch von den Massnahmenvollzugschefbeamten unterstützt, die keinerlei Störung deren Totenruhe zulassen wollten. Dass Angehörige so schnell als renitent und querulatorisch betrachtet würden, entbehrend jeglicher vernünftigen Grundlage, hätte ich nicht erwartet. In meiner Naivität war ich auch bereit meine Anonymität aufzugeben und weiss nun wieso das Angehörige und Betroffenen zu Recht scheuen. Alleinstehende und Unabhängige können es sich leisten, doch als Ehefrau, Mutter, Tochter, Freundin, Lebenspartnerin wird es gefährlich auch für den Betroffenen im Vollzug. Angehörige werden durch das begrenzt normale Erfassen der Forensiker und ihre Falschaussagen und –auswertungen in Zusammenarbeit mit befreundeten, halbverwandten Medientätigen oder gar begutachtenden psychisch Kranken mit Diagnosen belegt, in der Regel paranoiden oder narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Das kommt einer routinemässigen Eliminierung von anders Denkenden, anders Lebenden und anders Fühlenden in Zusammenarbeit mit der staatlichen Aufsicht über ihre Bürger gleich. Ein rechtsfreier Raum besteht für alle in Kontakt mit Polizei, Justiz und Vollzug. Gemäss einem forensischen Kollegen habe ich ein übermässiges Selbstwertgefühl, da ich wagte dem Angehörigen zu schreiben, dass ich mit meinen mittlerweile 27 Berufsjahren als Psychiaterin vielleicht doch ein wenig mehr Erfahrung haben könnte als eine unter dem Professor arbeitende Assistenzärztin, die möglicherweise auch Sprachprobleme habe und einem leitenden Arzt, der bereits auf dem Absprung in die eigene Praxis kaum noch anwesend sei. Zudem fehle mir die Empathie mit den Kollegen und Vollzugsbeamten. Da es sich bei diesen Fachleuten um Kollegen handelte, die ich zu schätzen versucht hatte wie alle andern auch, löste sich meine Loyalität in Tränen der Enttäuschung. Unsere gemeinsame Zukunft soll aber voller Freudentränen sein und Schmerzen des Sich Kugelns vor Lachen……